Negativer Strompreis

Negativer Strompreis: Was er bedeutet und wie Sie davon profitieren

Geschrieben von: Luis

|

|

Lesezeit 8 min

Stellen Sie sich vor, Strom kostet nicht nur wenig, sondern fällt zeitweise unter null. Genau dieses Phänomen bezeichnet man als negativen Strompreis – kein Rechenfehler, sondern ein reales Ergebnis des Strommarkts.

Negative Strompreise gibt es dabei nicht nur in Deutschland. Kurz gesagt: Wenn zu viel Strom da ist und zu wenig gebraucht wird, geraten die Preise ins Rutschen. Genau das passiert besonders häufig, wenn erneuerbare Energien auf Hochtouren laufen, die Nachfrage aber gerade schwächelt. Typische Beispiele kennt man zur Genüge: windreiche Nächte, sonnige Wochenenden oder Feiertage, an denen Industrie und Gewerbe weitgehend stillstehen. Dann ist Strom im Überfluss vorhanden – und der Markt reagiert entsprechend.

Kommen begrenzte Speichermöglichkeiten oder regionale Netzengpässe hinzu, kann überschüssiger Strom weder gespeichert noch schnell genug abtransportiert werden. Die Folge: An der Strombörse sinkt der Preis unter null. In Deutschland sind negative Strompreise seit 2008 offiziell zugelassen – und längst fester Bestandteil des Energiemarkts.

Was bedeutet ein negativer Strompreis wirklich und wer zahlt dann wen?

Ein negativer Strompreis entsteht an der Strombörse, nicht automatisch auf Ihrer Stromrechnung. Wichtig ist der Unterschied zwischen Börsenstrompreis und Endkundenpreis.

An der Börse gibt es vor allem zwei Zeitsichten:

  • Day-Ahead: Preise werden am Vortag stundenweise festgelegt.
  • Intraday: Anpassungen passieren kurzfristig, wenn Wetter und Nachfrage anders laufen als gedacht.

Wenn der Börsenpreis unter null fällt, heißt das vereinfacht: Erzeuger zahlen dafür, dass ihnen jemand den Strom abnimmt. Das wirkt erst mal absurd, macht aber Sinn, wenn Abregeln teuer ist oder technisch nur schwer umsetzbar ist.

Europas Strompreise fallen zunehmend unter Null
Bild von https://www.bloomberg.com/

Auswirkungen negativer Strompreise

Negative Strompreise treffen nicht alle gleich – das ist nun mal die Kehrseite der Medaille. Betreiber von erneuerbaren Energieanlagen in der Direktvermarktung können in solchen Phasen sogar draufzahlen, weil sie für die Einspeisung ihres Stroms zahlen müssen. Netzbetreiber stehen gleichzeitig vor der Aufgabe, das System stabil zu halten, was durch aufwendige Redispatch-Maßnahmen zusätzliche Kosten verursacht.

Für Verbraucher wirken sich negative Preise indirekt aus, etwa über das EEG und die garantierte Einspeisevergütung. Unterm Strich kann das dazu führen, dass neue Investitionen vorsichtiger geplant werden. Denn wo die Erlöse schwanken, wächst auch die Unsicherheit.

Vorschriften gemäß dem Erneuerbare-Energien-Gesetz sowie § 51 EEG:

Betreiber von EEG-Anlagen, die ab dem 1. Januar 2025 in Betrieb genommen werden, erhalten gemäß § 51 EEG bei negativen Strompreisen keine Vergütung mehr. Für ältere Anlagen gibt es Übergangsregelungen. Ziel dieser gesetzlichen Bestimmungen ist es, die Flexibilität im Strommarkt zu steigern und die Marktakteure zur Reaktion auf Preissignale anzuregen.

Warum der Strompreis an der Börse unter null fallen kann

Man kann sich das Stromsystem gut wie ein Wasserrohr vorstellen: Kommt zu viel auf einmal, steigt der Druck. Beim Strom heißt dieser Druck allerdings nicht Bar, sondern Preis – und wenn Angebot und Nachfrage aus dem Takt geraten, kann er sogar ins Negative kippen. Häufigster Auslöser ist eine unerwartet hohe Stromproduktion, vor allem aus erneuerbaren Energien, wenn Wind- und Solaranlagen gleichzeitig viel Energie ins Netz einspeisen.

Da Strom nur begrenzt gespeichert werden kann und Batteriespeicher noch nicht flächendeckend verfügbar sind, lässt sich dieser Überschuss nicht einfach „parken“. Genau hier liegt die Herausforderung: Das Stromnetz muss jederzeit im Gleichgewicht bleiben, obwohl die Einspeisung aus Wind und Sonne stark schwankt. Wenn dieses Gleichgewicht kippt, reagiert der Markt – und negative Strompreise sind die logische Folge.

Die Hauptgründe hierfür sind unter anderem:

  • ● Eine sehr hohe Einspeisung aus Wind- und Photovoltaikquellen zur gleichen Zeit, insbesondere durch erneuerbare Energieanlagen, die nicht beliebig ein- oder ausgeschaltet werden können
  • ● Hohe Mengen an Strom, der aus regenerativen Quellen stammt, und die das Angebot im Stromnetz übersteigen
  • ● Niedrige Stromnachfrage, wie während der Nachtzeit, an Wochenenden oder an Feiertagen, wenn der Verbrauch gering ist
URSACHEN FÜR NEGATIVSTROMPREISE

Batteriespeicher gewinnen dabei immer mehr an Bedeutung – das ist längst kein Zukunftsthema mehr. Sie nehmen überschüssigen Strom auf, wenn das Angebot hoch ist, und geben ihn genau dann wieder ab, wenn er gebraucht wird. So entlasten sie das Stromnetz, erhöhen die Flexibilität im gesamten Stromsystem und helfen dabei, extreme Preissituationen wie negative Strompreise abzufedern.

  • 2*500Wp Bifaziale Solarmodule + 1*SolarFlow 800 Plus
  • MPPT 1500W (2×750W)
  • 800W Netzeinspeisung,1000W netzunabhängige Leistung
  • 1,92kWh Batterie integriert, Erweiterbar auf bis zu 11,52kWh
  • Nahtloser Zugang zu HEMS, intelligente verteilung strom dorthin
  • Sparen Sie bis zu  625 pro Jahr an Energiekosten (Mit 1000W Solarmodulen+Zendure Smart Meter+TOU)

Warum Sie den negativen Preis nicht automatisch auf der Abrechnung sehen

Ihre Stromrechnung ist kein reiner Börsenpreis, sie ist ein Paket aus vielen Bausteinen. Selbst wenn der Energieanteil (also der Börsenteil) sinkt oder negativ wird, bleiben andere Posten bestehen.

Hier eine einfache Einordnung:

Bestandteil auf der Rechnung
Bleibt auch bei negativem Börsenpreis?
Warum
Netzentgelte
Ja
Transport und Betrieb des Netzes kosten weiter
Steuern und Abgaben
Meist ja
Gesetzliche Bestandteile ändern sich nicht stündlich
Messstellenbetrieb
Ja
Zähler und Abrechnung laufen weiter
Vertrieb und Marge
Ja
Service, Risiko, Kundenbetrieb
Energieanteil (Beschaffung)
Kann sinken, auch unter Null
Hängt vom Tarifmodell ab

Während 2014 die negativen Strompreise nur 64 Stunden ausmachten, stieg diese Zahl im Jahr 2024 bereits auf 457 Stunden. In den warmen bis heißen Monaten von April bis September treten die meisten Stunden mit negativen Preisen auf.

Der negative Börsenpreis kann bei Ihnen nur dann spürbar werden, wenn Sie einen Tarif haben, der stundenweise Preise weitergibt (dynamischer Tarif) und wenn Ihr Verbrauch stündlich gemessen werden kann.

Wann treten negative Strompreise auf und wie werden sie erkannt?

Negative Strompreise sind stark wetterabhängig. Sie treten auf, wenn ein Überangebot an Strom – vor allem durch hohe Einspeisung erneuerbarer Energien – auf eine geringe Nachfrage nach Strom trifft und überschüssige Mengen nicht aufbewahrt oder exportiert werden können. Häufige Situationen dafür sind:

  • ● sonnige Wochenenden im Frühling und Sommer, wenn mittags sehr viel PV einspeist,
  • ● stürmische Nächte, wenn Windparks viel liefern und Haushalte wenig verbrauchen,
  • ● feiertage, wenn die Industrie-Last fehlt.

Erneuerbare Energien liefern Strom nicht nach Fahrplan – das liegt in der Natur der Sache. Ihre Produktionsmengen schwanken teils stark und stellen das Stromnetz vor neue Herausforderungen. Genau deshalb braucht es ein flexibleres Stromsystem, das auf diese Veränderungen reagieren kann. Negative Strompreise sind dabei kein Fehler, sondern ein klares Signal: Der Markt verlangt nach mehr Flexibilität, etwa durch Energiespeicher oder Verbraucher, die ihren Strombedarf anpassen können, um Angebot und Nachfrage besser in Einklang zu bringen.

Nutzen Sie einen dynamischen Tarif, sehen Sie diese Preissignale ganz konkret: Die zugehörige App zeigt Ihnen in der Regel bereits am Vortag die stundenweisen Strompreise für den nächsten Tag (Day-Ahead). Zusätzlich helfen Preisdiagramme der Strombörse und Push-Benachrichtigungen von Energie-Apps.

So können Sie vom negativen Strompreis profitieren, ohne Ihre Gewohnheiten komplett zu ändern

Damit negative Preise überhaupt bei Ihnen ankommen können, brauchen Sie meist zwei Dinge: einen dynamischen Stromtarif und einen Smart Meter (damit stundenweise abgerechnet werden kann). Mit diesen beiden Optionen können Sie direkt von negativen Börsenstrompreisen profitieren.

Ein dynamischer Stromtarif bedeutet: Sie zahlen (oder sparen) je nach Stunde unterschiedlich. In günstigen Stunden ist Strom billig, in teuren Stunden deutlich teurer. Der Preis kommt nicht als Durchschnitt über Wochen, sondern stundenweise. Damit das sauber klappt, muss Ihr Verbrauch zeitlich zugeordnet werden können.

dynamischen Stromtarif

Wenn Sie über einen Wechsel nachdenken, prüfen Sie vorab kurz diese Punkte:

  • Preisbestandteile: Wie groß ist der variable Anteil, was bleibt fix?
  • Grundpreis: Ein hoher Grundpreis kann Vorteile wieder auffressen.
  • Kündigungsfrist: Flexibel bleiben hilft, falls es nicht passt.
  • App und Preissicht: Zeigt sie Day-Ahead klar an, gibt’s Preis-Limits?
  • Preisdeckel ja oder nein: Deckel geben Sicherheit, kosten manchmal Chancen.

Alltagsgeräte schlau timen: schnelle Gewinne mit negativem Strompreis

Mit negativen Strompreisen und dynamischen Tarifen lassen sich im Alltag schnell Vorteile erzielen – oft ohne großen Aufwand. Der Schlüssel ist, nicht die Laufzeit zu ändern, sondern die Startzeit. Viele Geräte arbeiten ohnehin automatisch, du verschiebst nur den Beginn in günstige Stunden.

Einfache Hebel im Haushalt:

Spülmaschine am besten mittags starten, besonders an sonnigen Tagen. Waschmaschine und Trockner nicht reflexartig abends laufen lassen, sondern Preisfenster prüfen – häufig lohnt sich der Vormittag oder Mittag am Wochenende. Kleine Akkus wie E-Bike, Staubsauger oder Powerbanks lädst du konsequent in günstigen Stunden. Warmwasser-Boiler oder steuerbare Geräte heizt du bei niedrigen Preisen vor und nutzt den Komfort später. Timer oder smarte Steckdosen helfen – Sicherheit geht vor: Nur betreiben, was der Hersteller erlaubt.

Große Hebel: E-Auto, Wärmepumpe, Speicher

Richtig spürbar wird es mit E-Auto und Wärmepumpe, weil hier viele Kilowattstunden verschiebbar sind. Beim E-Auto definierst du Ladefenster und ein Preislimit. Die Wärmepumpe „kocht Wärme vor“: tagsüber etwas mehr in den Speicher, abends weniger teure Stunden. Ein Balkonkraftwerk mit Batteriespeicher sammelt günstigen Strom ein und gibt ihn später ab – ideal bei dynamischen Tarifen und negativen Strompreisen.

Richtig rechnen: Woran Sie erkennen, ob es sich für Sie lohnt

Sie brauchen dafür kein Excel-Genie zu sein. Eine einfache Faustformel reicht:

(verschobene kWh) × (Preisunterschied pro kWh) = grober Vorteil, minus mögliche Zusatzkosten (zum Beispiel Komfortverlust oder zusätzliche Standby-Zeit).

Dies bedeutet konkret: Wenn Sie 5 kWh vom Abend (40 ct/kWh) in den Mittag (10 ct/kWh) verschieben, liegt der Unterschied bei 30 ct/kWh. 5 × 0,30 Euro sind 1,50 Euro für diesen Tag. Das ist greifbar.

Zwei typische Profile, die hier als Beispiel fungieren:

  • Haushalt ohne E-Auto: Sie haben weniger flexible kWh, aber Spülmaschine, Wäsche und kleine Ladevorgänge bringen trotzdem etwas, vor allem an Wochenenden.
  • Haushalt mit E-Auto: Sie haben oft den größten Hebel, weil Laden viele kWh bündelt, und Preisfenster sich sofort lohnen.

Wenn Sie kaum etwas in Ihrer Stromnutzung verschieben können, lohnt sich der Aufwand weniger. Dann ist ein klassischer Tarif oft entspannter.

Negative Strompreise gezielt nutzen mit der Zendure SolarFlow 800 Plus

Gerade bei negativen Strompreisen zeigt sich, wie wertvoll ein intelligenter Speicher ist. Die Zendure SolarFlow 800 Plus ermöglicht es Ihnen, überschüssigen und besonders günstigen Börsenstrom genau dann aufzunehmen, wenn Angebot im Überfluss vorhanden ist, und ihn später flexibel im Haushalt zu nutzen. Statt Strom zu negativen Preisen ins Netz zu drücken oder günstige Stunden ungenutzt zu lassen, speichern Sie diese Energie lokal und erhöhen so Ihren Eigenverbrauch.

Das reduziert Ihre Abhängigkeit von teuren Abendstunden, entlastet das Stromnetz und macht dynamische Tarife deutlich komfortabler. In Kombination mit einem Balkonkraftwerk wird der negative Strompreis vom abstrakten Börsenbegriff zum praktischen Vorteil: Sie nutzen Preissignale aktiv, steigern Ihre Wirtschaftlichkeit und schaffen mehr Kontrolle über Ihre Stromkosten – ohne Ihre Gewohnheiten grundlegend zu ändern.

Fazit: So machen Sie negative Strompreise zu Ihrem Vorteil

Ein negativer Strompreis entsteht an der Börse, wenn Strom im Überfluss da ist, meist bei viel Wind oder Sonne und wenig Nachfrage. Auf deiner Rechnung sehen Sie das aber nicht automatisch, weil fixe Bestandteile bleiben. Erkennbar wird’s vor allem über Stundenpreise im dynamischen Tarif, oft schon am Vortag. Ihre zwei besten ersten Schritte sind: Tarifbedingungen prüfen und dann 2 bis 3 Geräte konsequent in günstige Stunden legen. Schauen Sie sich eine Woche lang die Stundenpreise an, setzen Sie einfache Timer und verschieben Sie gezielt, dann wird aus einem seltsamen Börsenbegriff ein ganz praktischer Vorteil.

FAQs

Was passiert bei einem negativen Strompreis?

Ein negativer Strompreis entsteht an der Strombörse, wenn mehr Strom produziert als verbraucht wird. Erzeuger zahlen dann dafür, dass ihr Strom abgenommen wird. Für Haushalte wirkt sich das nur aus, wenn sie einen dynamischen Stromtarif haben – auf der normalen Stromrechnung bleibt der Effekt meist unsichtbar.

Wie oft war der Strompreis negativ?

Negative Strompreise treten seit 2008 regelmäßig auf und haben in den letzten Jahren stark zugenommen. Allein 2024 gab es mehrere hundert Stunden mit negativen Börsenstrompreisen, vor allem in sonnenreichen Monaten und bei starkem Wind.

Wer profitiert von negativen Strompreisen?

Vor allem Verbraucher mit dynamischen Tarifen, flexiblem Verbrauch und Speicherlösungen können profitieren. Betreiber von Batteriespeichern sowie steuerbaren Lasten wie E-Autos oder Wärmepumpen können ebenfalls von günstigen oder negativen Preisen profitieren und ihre Stromausgaben reduzieren.

Luis

Der Chefredakteur von Zendure widmet sich der Bereitstellung der besten Energielösungen, darunter Balkonkraftwerk, Solarenergie und tragbare Powerstation.