Bidirektionales Laden – was steckt dahinter und wie funktioniert es?
Geschrieben von: Luis
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Mit immer weiter steigenden Strompreisen und gleichzeitig immer mehr Photovoltaikanlagen steigt bei vielen Haushalten auch der Wunsch nach mehr Unabhängigkeit vom öffentlichen Stromnetz. Dabei rückt ein Thema zunehmend in den Fokus: bidirektionales Laden. Damit ist gemeint, mit dem elektrischen Strom nicht nur eine Batterie aufzuladen, sondern diese bei Bedarf auch wieder entsprechend zu entladen und den Strom zurück in das Netz oder den eigenen Haushalt zu geben.
Dabei wird bidirektionales Laden in erster Linie mit E-Autos in Verbindung gebracht. Doch hinter dem Konzept steckt weitaus mehr. Auch stationäre Energiespeicher und intelligente Strommanagement-Systeme machen es schon heute möglich, bidirektionale Energieflüsse zu nutzen – ganz ohne kompatibles E-Auto.
Verbreitet ist jedoch noch viel Halbwissen rund um das Thema. Was genau bedeutet bidirektionales Laden eigentlich? Wie funktioniert es technisch? Und warum ist diese Technologie ein äußerst wichtiger Baustein für die Energieversorgung mit erneuerbaren Energien?
Hinter der doch recht technischen Bezeichnung des bidirektionalen Ladens steckt die Fähigkeit, Strom in zwei Richtungen zu übertragen. So kann einerseits Energie aus dem Stromnetz oder aus einer Photovoltaikanlage in eine Batterie gespeichert werden, und andererseits die gespeicherte Energie auch bei Bedarf wieder abgegeben. Dann kann diese zum Beispiel zur Versorgung des eigenen Haushalts verwendet werden, und es muss weniger oder kein Strom aus dem öffentlichen Netz bzw. vom Anbieter bezogen werden.
Anders als beim klassischen Laden, bei dem der Strom immer nur in eine Richtung fließt, erlaubt das sogenannte bidirektionale Laden also auch eine aktive Steuerung von Energieflüssen. Dadurch wird der Strom nicht nur speicherbar, sondern auch gezielt nutzbar – abhängig von Verbrauch, Strompreis oder Netzsituation.
In der Praxis findet bidirektionales Laden in der Regel Anwendung bei zum Beispiel der Eigenverbrauchsoptimierung von Solaranlagen, zur Nutzung günstigerer Strompreise bei dynamischen Stromtarifen oder wenn es etwa darum geht, das Stromnetz zu entlasten beziehungsweise auszugleichen.
Welche Arten von bidirektionalem Laden gibt es?
Hinter dem bidirektionalen Laden steckt kein einheitliches Konzept, sondern verschiedene Anwendungsformen. Gemeinsam haben alle Varianten, dass der Strom nicht nur gespeichert, sondern aktiv in unterschiedliche Richtungen verteilt werden kann. In der gängigen Praxis haben sich dafür mehrere Begriffe etabliert, die jeweils stets ein Szenario beschreiben.
1. Vehicle-to-Home
Am bekanntesten und häufigsten gemeint ist das sogenannte Vehicle-to-Home-Szenario. Dabei wird die Batterie eines E-Autos genutzt, um einen Haushalt mit Strom zu versorgen. Der Stromspeicher im Fahrzeug übernimmt in diesem Szenario quasi die Rolle eines mobilen Stromspeichers der beispielsweise tagsüber geladen wird, wenn Solarstrom verfügbar ist oder der Strompreis niedrig ist, und abends den Haushalt mit Energie versorgt. Attraktiv ist ein solches Vorgehen vor allem für Haushalte mit hohem Stromverbrauch.
2. Vehicle-to-Grid
Noch einen Schritt weiter geht das so genannte Vehicle-to-Grid. Hier wird der Strom nicht nur über den Speicher zeitverzögert im eigenen Haushalt genutzt, sondern aktiv zurück ins öffentliche Stromnetz eingespeist. Das Ziel ist es, dadurch das Stromnetz zu stabilisieren, indem viele vernetzte und vor allem dezentrale Batterien kurzfristig Energie zur Verfügung stellen oder aus dem Netz aufnehmen. Dadurch gilt dieses Szenario als wichtiger Baustein für die Energiewende, denn es kann helfen, Schwankungen aus erneuerbaren Energiequellen auszugleichen. In der Praxis ist diese Form des bidirektionalen Ladens jedoch besonders komplex. Technische Standards, Abrechnungssysteme und gesetzliche Vorgaben sind bislang nur in Pilotprojekten oder begrenzten Testfeldern umgesetzt. Bis diese Form des bidirektionalen Ladens weiter verbreitet ist, wird es noch etwas dauern.
3. Vehicle-to-Load
Eine vergleichsweise einfache und bereits weiter verbreitete Variante ist Vehicle-to-Load. Dabei wird Strom direkt aus der Batterie eines Elektroautos entnommen, um externe Geräte zu betreiben. Das kann beim Camping, auf Baustellen oder bei mobilen Anwendungen sinnvoll sein. Für die Versorgung eines gesamten Haushalts ist diese Lösung jedoch nur bedingt geeignet, da Leistung und Einsatzdauer begrenzt sind.
4. Stationäre Stromspeicher
Nicht nur mit fahrzeugbasierten Konzepten ist bidirektionales Laden möglich. Vor allem eine weitere Form des bidirektionalen Ladens gewinnt zunehmend an Bedeutung: der Einsatz stationärer Stromspeicher. Im Prinzip gleicht dieses Vorgehen dem Vehicel-to-Home-Szenario. Auch hier fließt Energie in beide Richtungen, allerdings ohne die Abhängigkeit von einem Elektroauto. Der Speicher wird geladen, wenn Strom im Überfluss oder günstig verfügbar ist, und entlädt sich gezielt, wenn der Bedarf im eigenen Haushalt steigt oder Strompreise höher als üblich sind. Technisch betrachtet erfüllt ein solcher Speicher damit dieselbe Funktion wie ein bidirektional genutztes Fahrzeug, ist jedoch dauerhaft im Energiesystem des Haushalts integriert und nicht mobil.
Gerade diese stationären Lösungen sind immer weiter verbreitet und zeigen besonders, dass bidirektionales Laden nicht auf ein bestimmtes Produkt oder eine einzelne Technologie beschränkt ist. Viel relevanter ist das Prinzip der flexiblen Energieverteilung. Ob Strom nun aus der Batterie eines Autos, einer Solaranlage oder einem stationären Stromspeicher stammt, spielt für das Grundkonzept keine Rolle. Wichtig ist, dass die Energie gezielt gespeichert, verschoben und genutzt werden kann – und genau darin liegt die eigentliche Stärke des bidirektionalen Ladens.
Längst braucht es keinen teuren stationären Stromspeicher mehr für bidirektionales Laden. Moderne Speicher wie der Zendure SolarFlow 2400 AC sind äußerst kompakt und ermöglichen die Speicherung von elektrischem Strom.
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Bidirektionales Laden mit dem Auto – aktueller Stand
Die Vorstellung, dass ein Elektroauto nicht nur Strom verbraucht, sondern ihn auch wieder zurück in den Haushalt oder sogar ins Stromnetz speist, klingt wie Zukunftsmusik. Und tatsächlich: In der Realität ist dieser Ansatz derzeit noch relativ selten verbreitet und steckt in vielen Bereichen noch in der Entwicklungs-oder Testphase.
Ein Grund dafür ist, dass bidirektionales Laden über das Fahrzeug weit mehr erfordert als nur eine große Batterie. Die Ladeelektronik und die Steuerungssoftware müssen den bidirektionalen Stromfluss ermöglichen. Das ist bei einigen wenigen Auto-Modellen bereits der Fall, jedoch bisher nicht in der breiten Masse.
Parallel dazu braucht es kompatible Ladehardware. Eine normale Wallbox, wie sie viele Hauseigentümer zum Aufladen ihres E-Autos nutzen, ist in der Regel nur für den unidirektionalen Betrieb ausgelegt: Strom fließt vom Netz in die Batterie – nicht andersherum.
Ein weiterer Knackpunkt ist die regulatorische Seite. In Deutschland wie auch in vielen anderen Ländern gibt es zum Beispiel klare Vorgaben, wie Strom ins öffentliche Netz eingespeist werden darf. Ein Elektroauto, das Strom zurück in das Netz speist, muss technisch und organisatorisch wie ein Erzeuger behandelt werden – mit entsprechenden Melde- und Messpflichten.
Welche Autos sind für bidirektionales Laden geeignet?
Aus den bereits zuvor genannten Gründen ist das bidirektionale Laden bei vielen Fahrzeugen noch nicht verfügbar. Dennoch gibt es vor allem mit Kia und Hyundai erste Hersteller mit kompatiblen Fahrzeugen. So ist das bidirektionale Laden unter anderem mit folgenden Fahrzeugen möglich:
Hyundai IONIQ 5
Hyundai IONIQ 6
Hyundai KONA Elektro
Kia EV6
Kia Niro EV
Unterstützt, aber vielerorts noch nicht verfügbar ist die Funktion außerdem bei folgenden Autos:
MG4 / MG5
BYD Atto 3 / Seal / Dolphin / Han / Tang
Daneben gibt es noch weitere Modelle, die bidirektionales Laden technisch unterstützen, aber derzeit noch nicht freigegeben sind. Diese Autos können die Energie zurückgeben – entweder fürs Zuhause (V2H) oder in Zukunft auch ins Netz (V2G) – je nach Modell, Region und Software-Freigabe ist die Funktion bald verfügbar.
Nissan Leaf
Nissan e-NV200
Mitsubishi Outlander / Eclipse Cross / i-MiEV
Škoda Enyaq & Škoda Elroq
Volkswagen ID.3 / ID.4 / ID.5 / ID.Buzz
Cupra Born & Tavascan
Polestar 3
Renault R5 Elektro
Volvo EX90
Warum ist bidirektionales Laden mit E-Autos noch selten?
Neben technischen Hürden ist vor allem auch die regulatorische Seite nicht zu unterschätzen. Auch die Anwendungsfälle sind bisher sehr begrenzt, so werden etwa dynamische Stromtarife erst nach und nach ausgerollt.
Ist bidirektionales Laden in Deutschland erlaubt?
Ja – bidirektionales Laden ist auch in Deutschland grundsätzlich erlaubt und wurde bereits durch EU-Richtlinien als auch nationales Recht ermöglicht. Die entsprechende rechtliche Grundlage wurde im Rahmen der Elektromobilitätsinfrastruktur in deutsches Recht übernommen, wodurch das Laden und Entladen von Strom aus Elektrofahrzeugen nun erlaubt ist.
So ist es rechtlich möglich, Strom aus einem E-Auto wieder zurück ins Hausnetz oder – unter bestimmten Bedingungen – ins öffentliche Stromnetz zu speisen. Allerdings unterscheiden sich die rechtlichen Rahmenbedingungen je nach Form des bidirektionalen Ladens.
Große rechtliche Änderung ab 2026
Eine wichtige gesetzliche Reform hat dieses System grundlegend verändert: Ab dem 1. Januar 2026 werden Elektroautos in Deutschland wie Speicher behandelt, wenn sie bidirektional laden und Strom zurückspeisen. Dadurch wird:
die doppelte Netzentgeltbelastung abgeschafft
Strom, der ins Netz zurückgegeben wird, wie bei stationären Speichern behandelt
bidirektionales Laden wirtschaftlich attraktiver und rechtlich klarer geregelt
Diese Änderungen basieren auf einer Novelle des Energiewirtschaftsgesetzes (EnWG) und sorgen dafür, dass Vehicle-to-Grid für private Nutzer und Energieanbieter deutlich praktikabler wird.
Warum bidirektionales Laden trotzdem schon heute sinnvoll sein kann
Auch wenn das bidirektionales Laden mit Elektroautos noch nicht überall genutzt wird, lässt sich das Grundprinzip bereits heute sinnvoll einsetzen. Genau hier profitieren Haushalte mit Photovoltaikanlage oder Balkonkraftwerk besonders.
Solarstrom wird überwiegend tagsüber erzeugt, während der Stromverbrauch häufig in den Morgen- und Abendstunden liegt. Ohne Speicher geht ein Teil dieser Energie verloren oder wird ins Netz abgegeben. Bidirektionale Systeme ermöglichen es, überschüssigen Solarstrom zwischenzuspeichern und später im Haushalt zu nutzen. Dadurch steigt der Eigenverbrauch, während der Bezug von teurem Netzstrom sinkt.
In Verbindung mit einem Balkonkraftwerk ergibt sich ein ähnlicher Effekt. Auch hier fällt Strom nicht immer dann an, wenn er gebraucht wird. Ein Speicher mit bidirektionaler Funktion sorgt dafür, dass selbst kleinere Strommengen gezielt genutzt werden können, anstatt ungenutzt zu bleiben.
Bidirektionales Laden mit einem dynamischen Stromtarif ausnutzen
Zusätzliche Vorteile entstehen durch dynamische Stromtarife. Diese bilden die schwankenden Strompreise im Tagesverlauf ab. Bidirektionales Laden erlaubt es, Strom in günstigen Phasen zu speichern und bei höheren Preisen zu verbrauchen. Der Haushalt wird dadurch flexibler und unabhängiger von festen Tarifstrukturen.
Gerade diese Kombination aus eigener Stromerzeugung, Speicher und dynamischem Tarif zeigt, dass bidirektionales Laden keine reine Zukunftstechnologie ist. Viele Vorteile lassen sich bereits heute realisieren – auch ohne Elektroauto.
So nutzt Du bidirektionales Laden ohne E-Auto
Bidirektionales Laden lässt sich auch ohne Elektroauto sinnvoll umsetzen – mit dem Zendure SolarFlow 2400 AC Speicher.
Wie das geht? Der überschüssige Strom aus der Photovoltaikanlage oder dem Balkonkraftwerk wird zunächst gespeichert, statt ungenutzt ins Netz zu fließen. Zu Zeiten höheren Strombedarfs – etwa abends – stellt der SolarFlow die gespeicherte Energie wieder bereit. So steigt der Eigenverbrauch, während der Bezug von teurem Netzstrom sinkt.
Der Vorteil mit dem bidirektionalen Laden entsteht nun mit dem dynamischen Stromtarif. So kann der Speicher zusätzlich Strom in günstigen Phasen laden und bei höheren Preisen entladen. Der Haushalt wird dadurch flexibler und unabhängiger vom Strommarkt. Ohne Elektroauto und ohne komplexe Ladeinfrastruktur lassen sich so bereits heute die zentralen Vorteile des bidirektionalen Ladens nutzen.
Fazit: So nutzt Du bidirektionales Laden schon heute
Das bidirektionale Laden ist schon heute weit mehr als nur Zukunftsmusik. Hinter der Technologie steckt moderne Energieversorgung: Strom flexibel zu speichern und genau dann zu nutzen, wenn er gebraucht wird. Gerade in Kombination mit Photovoltaikanlagen, Balkonkraftwerken und dynamischen Stromtarifen lassen sich diese Vorteile bereits heute realisieren.
Während bidirektionales Laden mit E-Autos in Deutschland aktuell noch von technischen und regulatorischen Entwicklungen abhängt, bieten stationäre Speicherlösungen bereits jetzt eine praxistaugliche Alternative. Systeme wie der Zendure SolarFlow 2400 AC machen es bereits jetzt möglich, bidirektionale Energieflüsse ohne Elektroauto zu nutzen und den eigenen Haushalt unabhängiger vom Strommarkt zu machen.
Luis
Der Chefredakteur von Zendure widmet sich der Bereitstellung der besten Energielösungen, darunter Balkonkraftwerk, Solarenergie und tragbare Powerstation.